Testcase

Kalldorf, November 2016

Gedenken zum Volkstrauertag


 

Bedeutung:
Der Volkstrauertag ist ein Gedenktag für die Opfer der beiden Weltkriege und der Gewaltherrschaft des nationalsozialistischen Regimes sowie - mit zunehmendem Abstand vom Krieg - als Tag der Trauer in Solidarität mit den Verletzten und Hinterbliebenen. Der Tag soll auch eine Mahnung zur Versöhnung, zur Verständigung, zur Toleranz und zum Frieden sein.


Geschichte / Ursprung:
Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK) zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges angeregt. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe hielt eine im In- und Ausland vielbeachtete Rede, in der er einer feindseligen Umwelt den Gedanken an Versöhnung und Verständigung gegenüberstellte. Ein Komitee, dem von den großen Glaubensgemeinschaften bis zum jüdischen Frauenbund vielerlei Verbände angehörten, erreichte unter Federführung des Volksbundes, daß der Volkstrauertag in den meisten Ländern des Reiches gemeinsam, nämlich am fünften Sonntag vor Ostern, begangen wurde. Ab 1926 galt deis für alle Länder des Deutschen Reiches.
Seit 1924 veranstaltet der Volksbund jährlich die zentrale Gedenkfeier.

Schenken Sie diese Zeit den Toten der Vergangenheit und dem friedlichen Leben in der Zukunft.

Auch in Kalldorf findet seit Jahrzehnten alljährlich eine Gedenkveranstaltung auf den Kalldorfer Friedhof statt.
Nach einer Andacht in der Friedhofskapelle, hält ein Mitglied der Gemeinde eine Ansprache zur Erinnerung an alle Opfer von Krieg und Gewalt und zur Mahnung an die kommenden Generationen. Die Gedenkfeier schließt traditionell mit der Kranzniederlegung an den Ehrentafeln mit den Namen der gefallenen Kalldorfer Bürger.

Zum nachlesen finden sie hier die letzten 2 Vorträge:

 

 

 

Dominik Bentler

Die Gedenkrede zum Volkstrauertag am 13.11.2016 .

 

"Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden."
Dieser Satz stammt von der ersten Friedennobelpreisträgerin; von der Frau, die Alfred Nobel dazu motivierte überhaupt den Friedensnobelpreis zu verleihen. Und auch wenn Bertha von Suttner diesen Satz bereits vor über 120 Jahren verfasste, so aktuell ist die Thematik leider noch immer.
Dieser eine Satz genügt vollkommen, um die Absurdität, ja geradezu den Wahnsinn von Kriegen und Gewalttaten zu verdeutlichen. Jedes Menschenleben das für Kriege geopfert wurde, ist ein sinnlos vergebenes Menschenleben. Nun sind die meisten Anwesenden der heutigen Gedenkfeier in der glücklichen Situation keine Kriege in Deutschland unmittelbar miterlebt haben zu müssen. Nur die Wenigsten unter Ihnen, werden durch eigene Erfahrung die Grausamkeit von Kriegen nachvollziehen können. Aber diejenigen unter Ihnen, die Kriege erleben mussten, werden die Sinnlosigkeit von Kriegen, wie von Bertha von Suttner beschrieben, bestätigen. Und alle anderen von Ihnen werden Bertha von Suttner höchstwahrscheinlich auch zustimmen. Sicherlich ist der heutige Volkstrauertag ein Tag, der an die Kriegstoten der beiden Weltkriege erinnern soll, im Besonderen an die Menschen, die auf diesen Tafeln hier aufgeführt sind. Der Volkstrauertag soll auf die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen hinweisen. Deswegen sollen wir an diesem Tag auch auf die Gewalttaten aufmerksam gemacht werden, die nicht vor Ort in Deutschland oder Europa, sondern auf der ganzen Welt passieren. In der Vergangenheit sowie aber auch in der heutigen Zeit. Nun war die eben zitierte Bertha von Suttner eine Frau, die ihr Leben nahezu komplett dazu verschrieben hat, eine Friedensordnung zu forcieren, die stetig auf Gefahren der Aufrüstung hingewiesen hat und bis zur ihrem Tod vor dem sich anbahnendem 1. Weltkrieg gewarnt hat. Aus diesem Grund gibt es auch noch viele weitere Aussagen, die Bertha von Suttner während ihres Lebens getätigt hat und die zum Nachdenken anregen, wie zum Beispiel: "Wer die Opfer nicht schreien hören, nicht zucken sehen kann, dem es aber, sobald er außer Seh- und Hörweite ist, gleichgültig ist, dass es schreit und zuckt - der hat wohl Nerven, aber - Herz hat er nicht." Wer also Kriege auf dieser Welt ignoriert, der mag möglicherweise einen kühlen Charakter haben, ein kaltes Gemüt haben, allerdings hat er dann auch einen Mangel an Mitgefühl und das Fehlen von Empathie. Mittlerweile sollte es aber auch diesen Personen schwer fallen diese Kriege zu missachten. Denn jeder Mensch, der seine Heimat aus Angst um sein Leben, um das Leben seiner Familienangehörigen verlassen muss und nach Deutschland flüchtet, ist ein Opfer von Kriegen und Gewalttaten. Ich denke, dass wir dieser Verpflichtung, die in Deutschland angekommenen Menschen, in die Gesellschaft aufzunehmen, nicht nur mit unseren Nerven angehen sollten, sondern auch mit einer ausdrücklichen Portion Herz. (Pause) So wie ich die Menschen in Kalldorf kennengelernt habe, mit einer sehr aktiven Vereinskultur, mit den vielen Festen, die gefeiert werden und mit all den engagierten Menschen, die diese Dorfkultur aufrechterhalten, hoffe ich, dass Kalldorf geflüchtete Menschen nicht nur an dieser Kultur teilhaben lässt, sondern diese Menschen auch aktiv darin einbezieht. Auf diese Weise kann den Opfern von Kriegen nicht nur gedacht werden, sondern diese Menschen erhalten eine Chance auf ein Leben in Frieden.
Abschließend möchte nun die Totenehrung sprechen:

Wir gedenken heute der Opfer von Krieg und Gewalt: Der Soldaten, die in beiden Weltkriegen gefallen, ihren Verwundungen erlegen in Gefangenschaft gestorben oder seither vermisst sind, der Männer, Frauen und Kinder aller Völker, die durch Kriegshandlungen ihr Leben lassen mussten Wie gedenken derer, die im Widerstand, die um ihrer Überzeugung oder ihres Glaubens willen Opfer der Gewaltherrschaft wurden, und derer die verfolgt und getötet wurden, weil Sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder derer Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. Wir gedenken der Männer, Frauen und Kinder, die in der Folge des Krieges auf der Flucht oder bei der Vertreibung aus der Heimat und im Zuge der Teilung Deutschlands und Europas ihr Leben verloren.

Wir gedenken der Bundeswehrsoldaten, die in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen. Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage Um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung Um die Opfer sinnloser Gewalt, die bei uns Schutz suchten. Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen, um die Toten.

Ich darf nun die Ehrenabordnung der freiwilligen Feuerwehr Kalldorf bitten, einen Kranz im Namen aller Vereine niederzulegen, die der Vereinsgemeinschaft angehören.

Julia Bähr

Die Gedenkrede zum Volkstrauertag am 15.11.2015 .

 

Zunächst möchte ich Sie und euch (noch einmal) herzlich zu dieser Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages begrüßen.
Als mich mein Onkel - Johannes Bentler - vor einiger Zeit fragte, ob ich diese Rede halten würde, dachte ich, dass ja nichts dagegen spricht. Ich muss allerdings zugeben, dass für mich der Volkstrauertag bisher ähnlich, wie die meisten anderen Sonntage verlief. Das Ereignis des Volkstrauertages wurde eher am Rande wahrgenommen und bei dieser Gedenkfeier war ich - wenn ich mich recht erinner - auch noch kein oder vielleicht ein Mal gewesen. In der Zwischenzeit konnte ich mit einigen anderen Menschen in meinem Alter sprechen und stellte fest, dass für viele der Volkstrauertag keine persönliche Bedeutung hat und demnach die wenigsten sich näher damit beschäftigen. Vielleicht liegt es daran, dass wir, wenn wir die Wahl zwischen freudigen und traurigen Anlässen und Festen hätten, doch eher die freudigen vorziehen würden. Oder viele denken, dass es ein Tag für diejenigen ist, die mit den damaligen Ereignissen noch konkreter etwas anfangen können und selber Menschen verloren haben. Ich selbst darf heute hier aus einer Generation stehen, die selbst die Zeit des Kalten Krieges, der bis 1989 andauerte, nicht mehr miterlebt hat. (Dies ist ein Geschenk/Gnade, welches man vermutlich erst schätzen zu lernen weiß, wenn es einmal anders ist. Doch hoffen und beten wir, dass es nicht noch einmal anders kommen wird.) Richard von Weizsäcker sagte einmal sehr treffend: Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Heutzutage kennen viele Menschen, und es werden einfach immer mehr Menschen, die beiden Weltkriege lediglich aus dem Schulunterricht und Erzählungen. Ich selber kenne diese Geschichte u.a. von einem Besuch der Konzentrationslagern Ausschwitz, anderen Mahnmälern und von den wenigen Erzählungen meiner Großeltern. An ihrem Lebensweg kann ich erkennen, was Krieg und damit auch der Verlust der Heimat bedeutet.
Obwohl ich die Kriege nicht persönlich erlebt habe, stelle ich bei genauerem Hinsehen fest - und ich vermute, dass es den meisten Menschen heute so ergehen wird -, dass meine Geschichte ohne unsere Vergangenheit nicht so existieren würde, wie sie es heute tut. Auch Geschehnisse in der Welt zeugen insbesondere von dem zweiten Weltkrieg, wenn wir uns heute die Teilung Koreas anschauen oder nach Israel sehen. Unsere Welt heute ist nur durch unsere Geschichte denkbar. Und obwohl das Ende des zweiten Weltkrieges erst 70 Jahre her ist, stehen wir - oder die kommenden Generationen - in der Gefahr, die Augen zu verschließen, zu vergessen und somit auch blind für die Gegenwart zu werden.
Der Volkstrauertag dient dazu, dem Vergessen entgegen zu wirken. Es ist ein Tag von großer Bedeutung. Ein Tag des Erinnerns, des Gedenkens - nicht nur ein Trauertag. Wir sind heute hier zusammen gekommen um den über 120 Millionen Menschen zu gedenken, die in dem ersten und zweiten Weltkrieg ihr Leben und ihre Gesundheit gelassen haben. 120 Millionen Schicksale, 120 Millionen - und jeder Einzelne ist einer zu viel.
Die beiden Weltkriege brachten Elend über die Menschen, Elend für die Familien, Krankheiten, Hunger und Zerstörung in einem unvorstellbaren Ausmaß. Damit keine Wiederholung dessen stattfindet, ist es wichtig unsere Geschichte, die Ursachen und Auswirkungen der Kriege (und das Elend) zu kennen/verstehen. Doch sollten wir nicht an diesem Tag mit unseren Erinnerungen und der Trauer stehen bleiben, sondern - und das ist der wohl wichtigste Punkt - wir sollten daraus lernen. Wir sehen die Vergangenheit und lernen unsere Gegenwart und Zukunft zu bestreiten, ohne Fehler unserer Geschichte zu wiederholen. Wenn wir heute in die Welt schauen, sehen wir Kriege. Sie begleiten uns täglich in den Medien und auch in Deutschland gibt es Streit in Familien, Nachbarschaften und Gewalttaten. Täglich sehen wir Leid, Tod und Trauer, die Not der Menschen. Der wahre Frieden ist noch nicht da.
Aber wie die Lage um uns her auch aussieht, wir können und müssen uns entscheiden, welchen Weg wir gehen. Wir können die Nachrichten annehmen, resignieren oder uns in Gesprächen über die aktuelle Lage aufregen. Vielleicht gibt es einige Vorurteile gegenüber dem Unbekannten und eine Furcht, vor dem was kommen mag. Lassen wir diesen Blick auf die Geschehnisse siegen und möglicherweise sogar in Hass umschlagen? Oder lernen wir aus unserer Vergangenheit und entscheiden uns heute dafür, dazu beizutragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholen wird. Machen wir unsere Augen und unsere Herzen auf. Begegnen wir dem scheinbar bedrohlichen, lernen es kennen und geben dem Fremden eine Chance uns ihre Welt zu zeigen.
Wir tragen heute die Verantwortung und werden mit unserer Entscheidung die Zukunft prägen. Entscheiden wir uns heute für die Menschlichkeit, für den Frieden und werden Stützen für den Frieden in unserem Land. Erinnern wir uns heute unserer Geschichte und gedenken wir den Menschen, die Opfer der beiden großen Kriege geworden sind. Lernen wir aus unserer Geschichte, damit wir mit offenen Augen und verantwortungsbewusst in die Zukunft gehen können. Pflichttext: Und in diesem Sinne möchte ich nun die Totenehrung sprechen:
Wir gedenken heute der Opfer von Krieg und Gewalt:
Der Soldaten, die in beiden Weltkriegen gefallen, ihren Verwundungen erlegen in Gefangenschaft gestorben oder seither vermisst sind, der Männer, Frauen und Kinder aller Völker, die durch Kriegshandlungen ihr Leben lassen mussten Wie gedenken derer, die im Widerstand, die um ihrer Überzeugung oder ihres Glaubens willen Opfer der Gewaltherrschaft wurden, und derer die verfolgt und getötet wurden, weil Sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder derer Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. Wir gedenken der Männer, Frauen und Kinder, die in der Folge des Krieges auf der Flucht oder bei der Vertreibung aus der Heimat und im Zuge der Teilung Deutschlands und Europas ihr Leben verloren.

Wir gedenken der Bundeswehrsoldaten, die in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen. Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage Um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung Um die Opfer sinnloser Gewalt, die bei uns Schutz suchten. Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen, um die Toten.

Ich darf nun die Ehrenabordnung der freiwilligen Feuerwehr Kalldorf bitten, eine Kranz im Namen aller Vereine niederzulegen, die der Vereinsgemeinschaft angehören.
Enden möchte ich mit einem Zitat von dem Amerikaner Kin Hubbard:
Der Frieden hat ebenso viele Siege aufzuweisen wie der Krieg, aber weit weniger Denkmäler. Lassen Sie uns zu einem lebendigen Denkmal des Friedens werden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch einen schönen Sonntag.

Vielen Dank

 

 


Organisation und Leitung:

Johannes Bentler

Wilfried Gerkensmeier