SPD – Kalldorf Kalldorf, den 4.10.2026
Thorsten Schmidtpott
– Ratsmitglied –
Pressebericht:
Tag der Deutschen Einheit in Kalldorf – Jürgen Müller stellt das Schicksal der Familien in den Mittelpunkt
Die Kalldorfer SPD hatte auch in diesem Jahr Bürgerinnen und Bürger zur traditionellen Gedenkfeier zum Tag der Deutschen Einheit eingeladen. Ort des Gedenkens waren wieder der historische Gedenkstein und die Friedenseiche am Dorfgemeinschaftshaus. Als diesjähriger Festredner konnte der ehemalige Landrat des Kreises Herford, Jürgen Müller (SPD), gewonnen werden. In seiner vielbeachteten Ansprache wählte er einen besonders persönlichen Zugang und stellte die menschliche und familiäre Dimension der deutschen Geschichte in den Vordergrund.
Müller verdeutlichte den Zuhörern, dass die große Politik immer unmittelbare Auswirkungen auf das Leben und Gefüge von Familien hat. Er verdeutlichte dies eindrucksvoll am Beispiel seiner eigenen Familiengeschichte, die exemplarisch für das Schicksal von Millionen Deutschen steht: Seine sudetendeutschen Großeltern wurden vertrieben und fanden in der DDR eine neue Heimat. Sein Vater und seine Geschwister wiederum verließen die DDR noch vor dem Mauerbau, um in der Bundesrepublik ein neues Leben zu beginnen. Die Familie wurde so über Jahrzehnte durch die Grenze getrennt.
„Hinter den großen Begriffen unserer Geschichte – Vertreibung, DDR, Bundesrepublik, Mauer, Grenze und Wiedervereinigung – stehen immer Menschen“, betonte der ehemalige Landrat. Es seien die Familien gewesen, die trotz aller Grenzen und Trennungen ihr Leben gelebt, den Alltag gemeistert und vor allem immer wieder Verantwortung füreinander übernommen hätten. Umso emotionaler sei der Moment gewesen, als die unüberwindbar geglaubte Mauer schließlich fiel und Familien nach Jahrzehnten der Trennung endlich wieder zusammenkommen und sich wieder begegnen konnten.
Müller gab jedoch zu bedenken, dass der formale Akt der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 zwar die politische Einheit besiegelte, eine echte gesellschaftliche Einheit jedoch ein Generationenprojekt sei. Grenzen in den Köpfen verschwinden nicht über Nacht. Die Menschen hüben wie drüben brächten ihre ganz persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen, Lebensleistungen, aber auch Enttäuschungen und unterschiedliche Vorstellungen vom Leben mit in das gemeinsame Deutschland.
Mit Blick auf die Gegenwart schlug Müller die Brücke von der Historie zum täglichen Miteinander. Die durch die Einheit errungenen demokratischen Freiheiten – wie die Reisefreiheit, die freie Meinungsäußerung und das Recht auf freie Wahlen – seien keine Selbstverständlichkeit, sondern ein kostbares Gut, das jeden Tag neu geschützt und gelebt werden müsse.
Seine zentrale Botschaft richtete sich daher direkt an das Fundament der Gesellschaft: „Einheit entsteht nicht in Parlamenten“, so der Festredner. Sie beginne genau dort, wo Menschen im Kleinen füreinander einstehen – zuerst in der Familie, aber auch in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, im Verein und am Arbeitsplatz direkt in der Gemeinde. Hier entscheide sich tagtäglich, ob Menschen Rückhalt finden und das Gefühl haben, dazuzugehören. Müllers Fazit berührte die Anwesenden sichtlich: Geschichte sei nicht nur das, was in den Geschichtsbüchern steht – Geschichte sei das, was Menschen und ihre Familien ganz real erleben.

Thorsten Schmidtpott SPD Jürgen Müller (SPD)